Herzlich Willkommen in meinem Blog auf www.kuelling.li

Hier findest du Aktuelles, Links, Tipps, Fotografie, Musik etc. Je nach Lust und Laune hat es auch mal was Sinnfreies dabei. Unter den Rubriken kannst du die verschieden Themen auswählen.

Sonntag, 11. November 2012

WELCHE SYMPTOME SIND TYPISCH FÜR EIN BURNOUT?

Das Symptomenbild eines Burnouts wird durch ebenso verschiedene Faktoren bestimmt wie dessen Ursachen. Bei Burnout handelt es sich um einen Zustand, der durch körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung geprägt ist. Symptome, welche nur vorübergehend sind, können als normale menschliche Reaktion auf belastende Lebenssituationen gedeutet werden. Treten die Symptome aus den verschiedenen Bereichen aber über längere Zeit auf, spricht man von einem Burnout.
Schaut man sich nun die Symptome aus den verschiedenen Studien etwas genauer an, zeigt sich, dass sie einerseits sehr vielschichtig sind, andererseits sich aber erstaunlich einheitlich zeigen. Ein erster Eindruck über die Symptome bietet Burisch in seinem Buch „Das Burnout- Syndrom“. Die Liste ist auf keinen Fall als abschliessend zu betrachten. Die Symptome liegen zum Teil auf unterschiedlicher Abstraktionsebene und die Liste ist nicht abschliessend. Einige Symptome schliessen sich gegenseitig aus und bei einem Burnout- Fall müssen nicht alle Symptome vorhanden sein. Das Clustern von Symptomen sowie die Reihenfolge sind nicht zwingend, wie Burisch selber betont. Die Liste soll jedoch eine Übersicht geben und die Verständlichkeit erhöhen. Die zwei folgenden Abbildungen über die Burnout- Symptomatik stammen aus dem Buch „Das Burnout- Syndrom“ von Burisch.


BURNOUT – SYMPTOMATIK

1. Warnsymptome der Anfangsphase
a) Überhöhter Energieeinsatz: Hyperaktivität, Gefühl der Unentbehrlichkeit, Gefühl, nie Zeit zu haben, Verleugnung eigener Bedürfnisse, Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen.
b) Erschöpfung: nicht Abschalten können, Energiemangel, Unausgeschlafenheit, erhöhte Unfallgefahr.
2. Reduziertes Engagement
a) für Patienten: Verlust positiver Gefühle gegenüber Klienten, grössere Distanz und Meidung des Kontakts mit Patienten, Aufmerksamkeitsstörungen in der Interaktion, Schuldzuweisung für Probleme an Klienten, Dehumanisierung.
b) für andere allgemein: Unfähigkeit zu geben, Kälte, Verlust von Empathie, Verständnislosigkeit, Schwierigkeit anderen zuzuhören, Zynismus.
c) für die Arbeit: Verlust von Idealismus, Desillusionierung, negative Einstellung zur Arbeit, Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen, Widerwillen und Überdruss, verspäteter Arbeitsbeginn, vorverlegter Arbeitsschluss, Fehlzeiten, Fluchtphantasien.
d) Erhöhte Ansprüche: Konzentration auf die eigenen Ansprüche, Gefühl, mangelnder Anerkennung, Gefühl ausgebeutet zu werden, Eifersucht, Familienprobleme

3. Emotionale Reaktionen; Schuldzuweisung
a) Depression: Schuldgefühle, reduzierte Selbstachtung, Gedankenverlorenheit, Selbstmitleid, Humorlosigkeit, unbestimmte Angst und Nervosität, abrupte Stimmungsschwankungen, verringerte emotionale Belastbarkeit, Bitterkeit, Neigung zum Weinen, Abstumpfung, Gefühl der Leere, Schwächegefühl, Ruhelosigkeit, Apathie.
b) Aggression: Schuldzuweisung an andere oder das System, Vorwürfe an andere, Verleugnung der Eigenbeteiligung, Ungeduld, Launenhaftigkeit, Intoleranz, Kompromissunfähigkeit, Nörgelei, Negativismus, Reizbarkeit, Ärger, Misstrauen, häufige Konflikte mit anderen.

4. Abbau
a) der kognitiven Leistungsfähigkeit: Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Unfähigkeit zu komplexen Aufgaben, Ungenauigkeit, Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit, Unfähigkeit zu klaren Anweisungen.
b) der Motivation: verringerte Initiative und Produktivität, Dienst nach Vorschrift.
c) der Kreativität: verringerte Phantasie und Flexibilität.
d) Entdifferenzierung: rigides Schwarzweissdenken, Widerstand gegen Veränderungen aller Art.

5. Verflachung
a) des emotionalen Lebens: Verflachung gefühlsmässiger Reaktionen, Gleichgültigkeit.
b) des sozialen Lebens: weniger persönliche Anteilnahme an anderen, Meidung informeller Kontakte, Meidung von Gesprächen über die eigene Arbeit, Eigenbröteleien, mit sich selber beschäftigt sein, Einsamkeit.
c) des geistigen Lebens: Aufgeben von Hobbys, Desinteresse, Langeweile

6. Psychosomatische Reaktionen
Schwächung der Immunreaktion, Schlafstörungen, Albträume, sexuelle Probleme, gerötetes Gesicht, Herzklopfen, Atembeschwerden, Engegefühl in der Brust, erhöhter Blutdruck, Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, nervöse Tics, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Mangen-Darm-Geschwüre, veränderte Essgewohnheiten, mehr Alkohol, Kaffee, Tabak, andere Drogen.

7. Verzweiflung
Negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, Selbstmordabsichten, existentielle Verzweiflung.
Im Folgenden sollen die einzelnen Kategorien für den interessierten Leser kurz näher betrachtet werden.

Kategorie 1: Warnsymptome der Anfangsphase.
Meist zeigt die betroffene Person einen vermehrten Energieeinsatz. Wenn Menschen nach der Arbeit nicht mehr abschalten können ist dies ein wichtiges Warnsymptom. Die nötige Erholung, die man bräuchte, bleibt aus und schwächt das Individuum, so Burisch. Er ist der Überzeugung, dass nicht die Arbeitsmenge sondern die Gefühlslage, mit der man seine Arbeit verrichtet, entscheidend ist. Wenn Einsatz und Ertrag sowie Anstrengung und Belohnung nicht in einem krassen Missverhältnis stehen, kann ein hohes Engagement über Jahre gehalten werden. Dass der Energieeinsatz doch zu hoch war, lässt sich am häufigen Auftreten von Erschöpfungssymptomen feststellen. Dafür reicht es, wenn Zweifel am „Sinn“ des eigenen Tuns aufkommen.

Kategorie 2: Reduziertes Engagement.
In dieser Kategorie ist die idealistische Überhöhung der Arbeit typisch. Darauf folgt oft ein emotionaler, kognitiver und verhaltensmässiger Rückzug. Mit der Zeit entwickelt sich ein Überdruss bezüglich der Arbeit und häufig scheint es den Betroffenen unmöglich, morgens zur Arbeit zu gehen. Hervorzuheben ist hier, dass es sich primär um Leute handelt, die ihren Beruf selbst wählten und ihn einmal heiss geliebt haben. Die völlige Hinwendung zu einem Bereich, wie hier zur Arbeit kann nach einiger Zeit genau das Gegenteil hervorrufen. Weiter zeigen diese Menschen ein stets sehr beschäftigtes Wesen, viel Präsenzzeit aber niemand weiss so recht, was sie tun. 

Kategorie 3: Emotionale Reaktionen; Schuldzuweisung.
Desillusionierung schmerzt oft und erfordert Trauerarbeit. Diese kann hinausgeschoben werden, indem man entweder sich selbst oder der Umwelt die Schuld für den unbefriedigenden Zustand gibt. Gibt der Betroffene sich selbst die Schuld, so reagiert er überwiegend depressiv. Er sieht sich als Versager, sein Selbstwertgefühl sinkt.4 Anfangs wird der Burnout-Gefährdete jedoch im Gegensatz zum Depressiven die nachlassende Leistungsbereitschaft durch erhöhte Aktivität zu kompensieren versuchen.5 Sieht der Betroffene jedoch die Ursachen für seinen Zustand in der Umwelt, so wird er nörgelnd und pessimistisch. Dies äussert sich dann in ständigen Wutausbrüchen oder gereizter Stimmung.

Kategorie 4: Abbau.
In dieser Kategorie fällt die Leistung langsam ab. Typisch ist, dass den Betroffenen nun häufig Flüchtigkeitsfehler unterlaufen oder Termine vergessen gehen. Weiter lässt die Kreativität und Motivation nach und die Arbeit wird gerne auf den Dienst nach Vorschrift reduziert.

Kategorie 5: Verflachung.
Das Interesse an der Umwelt und dessen Geschehen verflacht zusehends. Es entwickelt sich eine generelle Verflachung des emotionalen, sozialen und mentalen Lebens. Die Betroffenen wirken gleichgültig und als Folge ziehen sich oft Freunde zurück.

Kategorie 6: Psychosomatische Reaktionen.
Psychosomatische Symptome wie Schlafstörungen, Magenprobleme und Kreislaufbeschwerden treten schon in den Anfangsphasen eines Burnouts auf. Häufig lässt sich auch eine Veränderung der Essgewohnheit feststellen. Damit einhergehend verändert sich oft auch das Gewicht. Suchtmittel wie Alkohol, Drogen oder Nikotin werden ebenfalls vermehrt konsumiert. Typischerweise werden Selbstbehandlungsversuche durch die Betroffenen mit Beruhigungs-, Schmerz- und Schlafmitteln durchgeführt, der Besuch beim Arzt bleibt aus.

Kategorie 7: Verzweiflung.
Die Einstellung zum Leben ist überwiegend negativ. Das Gefühl der Sinnlosigkeit des Lebens und seiner Arbeit sowie die Hoffnungslosigkeit auf Veränderungen können zu Selbstmordgedanken führen und die Gefahr der Ausführung ist gross.

http://www.swissburnout.ch

Burisch, M. (2006). Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. New York Berlin Heidelberg: Springer Verlag.

Samstag, 10. November 2012

Ab 10 Stunden pro Tag wird's gefährlich

Die Erreichbarkeit für den Job nimmt ständig zu. Personal Trainerin Marlise Rüegger sagt im Interview, wie Arbeitnehmer dennoch unnötigen Stress vermeiden und was beim Abschalten hilft.


Eine repräsentative Studie von Swisscom und 20 MinutenOnline zeigt, dass immer mehr Arbeitnehmer auch in der Freizeit für den Job arbeiten. Wo die Gefahren dabei liegen und was man tun kann, damit man durch die hohe Erreichbarkeit nicht verschlissen wird, verrät die Personal Trainerin Marlise Rüegger im Interview.

Wird die Zahl von Burnout-Opfern bald noch massiv ansteigen?

Marlies Rüegger: Defintiv. Es wird einen deutlichen Trend nach oben geben. Wenn der Mensch seinen Tag nicht selber wirklich streng strukturiert und Arbeit und Freizeit trennt, dann läuft er zwangsläufig Gefahr, in Erschöpfungszustände zu verfallen. Wer diese ersten Zeichen der Erschöpfung übergeht, wandert zielgerade Richtung Burnout.

Merkwürdigerweise sagen aber 83 Prozent der Befragten, dass ihre psychische Gesundheit absolut gut sei. Ist das ein Trugschluss? 

Mit Sicherheit. Die Erfahrung zeigt: Nur etwa 20 Prozent schaffen es, ihren Tag so zu strukturieren, dass die Erholungsphasen und Zeit zum Abspannen nicht zu kurz kommen. Die anderen 80 Prozent der Arbeitnehmer und Selbständigen verlieren sich schnell in der Arbeit. Das Fatale daran: Oft merken sie es gar nicht, weil der Ortswechsel weg vom Büro hin zum Balkon verschleiert, dass man beim Beantworten von Mails oder bei geschäftlichen Anrufen immer noch arbeitet.

Führt Ihrer Erfahrung nach die Verquickung von Freizeit und Job überhaupt zu mehr Stress?

Das lässt sich nicht leugnen. Mit dem Smartphone oder dem iPad nehmen viele Angestellte quasi ihr ganzes Büro mit nach Hause. Da wird es schnell zum Zwang, immer wieder nachzuschauen, ob neue Mails eingetroffen sind. Ich erlebe es in der Praxis oft, dass Arbeitnehmer 16 Stunden fortlaufend Impulse erhalten, die mit dem Job zu tun haben. Das geht auf Dauer nicht gut.

Wie viel Erreichbarkeit für den Job ist denn aus Ihrer Erfahrung überhaupt verträglich?

Ab 10 Stunden pro Tag wird es gefährlich bei permanenter Belastung. Spätestens nach drei Monaten meldet sich dann der Körper.

In Deutschland gibt es einen Vorstoss von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Sie will, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter künftig per Gesetz vor zu viel Stress durch Dauererreichbarkeit fürs Geschäft schützen müssen. Was halten Sie von dem Vorschlag?

Das finde ich super und kann ich nur unterstützen. Unternehmen haben eine Verantwortung für ihre Mitarbeiter, denn sie fordern und profitieren von ihnen. Wenn sie den Bogen überspannen, muss letztlich die Gesellschaft die Folgen tragen. So müssen zum Beispiel Krankenkassen für die Behandlung von Burnouts aufkommen. Hier müssen Unternehmen mehr in die Pflicht genommen werden.

So ein Gesetz ist in der Schweiz nicht in Sichtweite. Wie können Arbeitnehmer trotzdem Job und Freizeit strikter trennen?

Es braucht unbedingt einen knallharten Plan - von wann bis wann mache ich was. Und dieser sollte sich nicht nur auf die Arbeit beschränken, sondern auch den Freizeitbereich einbeziehen. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich gerade Manager in der Freizeit oft mit anderen verabreden - zum Sport, zum Essen oder was auch immer. Dadurch wird es verbindlich und sie sind gezwungen, das Vorhaben auch wirklich in die Tat umzusetzen. Was sicher auch hilft: Sich öfter mal klarmachen, dass man doch gar nicht so wichtig ist. Es gibt im Berufsalltag und in der schnellen Zeit gar nicht so viele Sachen, die nicht auch bis am nächsten Tag warten könnten.

12 Prozent der Angestellten in der Schweiz sagen, dass sie Probleme haben, Berufs- und Privatleben in Balance zu halten. Was empfehlen Sie diesen Menschen?

Sie müssen vor allem für ausreichenden Ausgleich sorgen. Dabei sollten drei Bereiche gleichberechtigt abgedeckt werden: Ernährung, Bewegung und Entspannung. Pro Tag sollten jedem Bereich zwei Stunden gewidmet werden. Wichtig dabei ist, dass man dies bewusst tut. Idealerweise verbindet man es mit sozialen Kontakten. Also sich zum Beispiel zum Spaziergang verabreden oder gemeinsam einkaufen und kochen. Dann ist sichergestellt, dass Familie und Freunde nicht zu kurz kommen.

Sie sagen, Bewegung sei wichtig. Aber ist es nicht so, dass Sport noch zusätzlich Energie kostet?

Ich empfehle eher Bewegung allgemein. Auch entspanntes Schwimmen oder gemütliches Radfahren zählen dazu, ebenso wie ein Spaziergang am See. Wenn man dies zu zweit tut und sich dabei zum Beispiel über den neuesten Film oder über ein Erlebnis vom Wochenende unterhält, dann ist es quasi unmöglich, nebenbei auch noch an den Job zu denken. Das Gedankenkarussell stoppt und damit fängt die Entspannung an.