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Samstag, 27. Januar 2018

Wir müssen innerlich abrüsten

DIE SÄKULARE ETHIK DES DALAI LAMA

Religion vergleicht der Dalai Lama mit Tee. Ethik mit Wasser. Man könne also ohne Religion, nicht aber ohne Ethik leben. Und eine Religion ohne Ethik sei nicht möglich.
Alle Glaubensrichtungen basieren für ihn letztendlich auf der jahrtausendealte indische Lehre von Ahimsa, jener Gewaltlosigkeit, wie sie Mahatma Gandhi verkörpert hat. Gewaltlosigkeit sei das Fundament jeglichen Zusammenlebens.
Dieses Bewusstsein für Ethik sei uns angeboren, während Religion ein Gut sei, das wir erwerben, und zwar je nach Kultur in unterschiedlichen Ausprägungen.
Der Dalai Lama glaubt nicht, dass Menschen von Natur aus gewalttätig, eigennützig oder aggressiv sind, sondern dass sie Nächstenliebe, Frieden und Harmonie bevorzugen.
Moderne neurobiologische Forschung zeige, sagt er, dass Menschen umso altruistischer handeln, je mehr sie glauben, dass andere Menschen dies auch tun.
Ziel seiner säkularen Ethik muss es daher sein, unsere Fähigkeit zu stärken, andere Menschen auf ihrem Weg zum Glück zu unterstützen und so das Leiden auf der Welt zu bekämpfen. Also den ersten Schritt zu tun. Auch hier zitiert der Dalai Lama Gandhis Leitmotiv: Sei der Wandel den du sehen möchtest! Wenn jeder "innerlich abrüste", werde es auch keine Kriege mehr geben.
Zu dieser Einsicht komme man weniger durch Beten als durch Meditation. Meditation helfe einem jeden zu erkennen, dass seine grössten Feinde seine besten Freunde werden können - durch Dialog, Offenheit und Mitgefühl. Während Gewalt nur neue Gewalt gebiert.

Gelesen im GEO 03/2017

Dienstag, 5. Dezember 2017

Yanni - The Rain Must Fall

Roger Waters 'Deja Vu'



Wenn ich Gott sein könnte
Dann wären die Adern im Gesicht widerstandsfähiger gegen Alkohol, und man würde das Altern nicht sehen
Wenn ich Gott gewesen wäre
Hätte ich viele Söhne erschaffen, und es nicht geduldet das die Römer auch nur einen von ihnen umbringen
Wenn ich Gott gewesen wäre
Mit meiner Gefolgschaft und meinem Stab 
Und wenn ich ihre Zustimmung bekommen hätte 
Ich glaube, dann hätte ich den besseren Job gemacht 
 Und wäre ich eine Drohne 
Die den fremden Himmel überwacht 
Mit meinen elektronischen Augen die mich leiten 
Und dem Vorteil des Überraschungsmoment 
Würde ich mich davor fürchten jemanden zuhause anzutreffen 
Etwa eine Frau die am Herd steht 
Die gerade Brot backt, Reis macht, oder sich einfach nur ein paar Knochen aufkocht 
Wenn ich eine Drohne wäre 
 Die Tempel zertrümmert 
Die Bänker verdienen sich fett 
Die Eingeschüchterten gehen 
Und die gewaltige Mehrheit bleibt stumpf 
Die Forelle folgt einfach der Strömung ohne selbst zu entscheiden 
Du lehnst dich nach links, doch entscheidest Dich für rechts 
Und es fühlt sich an, als hätte es das schon einmal so gegeben 
Die Sonne geht unter, und ich vermisse 
Dich schon wieder Berechne die Kosten der Liebe die verloren geht 
Dort in den kreisrunden Pools, tief unter meinen Flugzeug 
Sind Säufer und Trottel nicht einmal 99 Cent wert

Samstag, 2. Dezember 2017

Bettverbot fürs Smartphone




Anitra Eggler kennt Fluch und Segen der Digitalisierung. In den Neunzigerjahren war sie Internetpionierin, heute ist sie eine der gefragtesten Expertinnen für einen massvollen Online-Konsum. Was ist ihr Rezept?

Text: Barbara Lukesch


Anitra Eggler, Sie nennen sich Digitaltherapeutin. Wer sind Ihre Patienten?

Damit keine falschen Vorstellungen entstehen: Bei mir legt sich niemand auf die Couch. Ich bin Journalistin. Meine Therapie besteht aus Buchstaben, die ich in Form von Büchern und Bühnenvorträgen verabreiche. Die Patienten sind meist Bürokrieger aller Hierarchien, Unternehmensgrössen und Branchen. Ich habe aber auch schon Lehrer, Kirchenvertreter, WhatsApp-Omis oder Digital Natives von Krankheiten wie E-Mail-Wahnsinn, Smartphone-Sucht, Daten-Diarrhö oder Social-Media-Inkontinenz befreit.

Woran merken Sie, dass Ihre Therapie wirkt?

An der Aufmerksamkeitsspanne der Leute: Die beträgt vor dem Besuch meines Bühnenvortrags gerade mal 9 bis 15 Sekunden. Danach halten es die Zuhörer oft den ganzen Apéro lang aus, nicht aufs Handy zu starren. Stattdessen unterhalten sie sich mit anderen über den ganz normalen digitalen Wahnsinn unserer Zeit.

Wann haben Sie selber diesen Wahnsinn entdeckt?

Im Jahr 2009. Damals entwendete mein wichtigster Mitarbeiter sein Firmenhandy aus meinem Schreibtisch, weil er den von mir verordneten «Offline-Urlaub» nicht umsetzen wollte: Statt abzuschalten mit seiner Familie, wollte er im Urlaub arbeiten. «Wie krank ist das denn? Meine Mitarbeiter versklaven sich selbst!», dachte ich mir. Ich wollte keine digitalen Leibeigenen als Mitarbeiter, sondern mündige Menschen, die anschalten, um das Beste aus der Digitalisierung rauszuholen, die aber auch abschalten können, um das Beste im Leben zu geniessen.

Und Ihr eigener Online-Konsum? Wie sah der zu jener Zeit aus?

Nach diesem Erlebnis wurde mir bewusst, dass ich binnen zwölf Jahren als Journalistin und Managerin von Internetfirmen bereits 1,5 Jahre vermailt und 2,5 Jahre versurft hatte. Die Zeitersparnis, die Effizienz- und Produktivitätssteigerung, die das Digitale bewirken kann, tritt nur dann ein, wenn der Mensch seinen Konsum kritisch hinterfragt und die Geräte entsprechend smart konfiguriert.

Was ist denn so verlockend an den kleinen Geräten, dass Menschen offenbar davon süchtig werden?

Mit den zahllosen Aufmerksamkeitsreizen, die Smartphones bieten, machen sie unser Hirn süchtig nach Dauerablenkung. Gleichzeitig verfügt ein Smartphone über Ego-Booster wie Social Media oder süchtig machende Games. Wir machen total hirnbefreit alles, was medienmöglich ist, und sind ständig auf Abruf, als wären wir Notärzte, beruflich und privat. Das bereitet Stress, ruiniert Arbeitsspass, Produktivität – und ist schlecht für die Kussbilanz.

Welche Folgen des digitalen Overkills halten Sie für die schlimmsten?

Ganz vorne: Lebenszeitvergeudung! Mehr als die Hälfte seiner 16 Wachstunden verbringt der Homo digitalis mit seinem Handy, im Netz und vor der Glotze. Knapp zehn Sekunden pro Tag erübrigt er im Schnitt fürs Küssen. Der Homo digitalis ist ein lebenszeitverachtender Prioritätensetzer: Die schönsten Momente fotografiert er, statt sie zu erleben. 88-mal am Tag wird das Handy gecheckt. Hat man eine neue Mail wahrgenommen, bleibt diese maximal sechs Sekunden ungelesen – auch wenn es die unnötigste Viagra-Spam-Mail aller Zeiten ist. Das kostet Produktivität: Bürokrieger verbringen eineinhalb Arbeitstage pro Woche in ihrer Mailbox. Sie glauben, überall zu sein, sind aber nirgends mehr wirklich präsent. Weder beim Partner noch bei den eigenen Kindern und am Arbeitsplatz schon gar nicht.

Wie gehen Sie selber mit Ihrem Smartphone um?

Handys haben Bett- und Tischverbot. Ich checke Mails nur einmal am Tag, Social Media nutze ich beruflich nur gelegentlich, in meinem Privatleben spielen sie überhaupt keine Rolle. Im Urlaub schalte ich komplett vom Job ab, zelebriere Treibholztage ohne Handy, ohne Plan und Ziel und flaniere durch meine eigene Stadt wie ein Erstbesucher, solche Sachen.

Was halten Sie von digitaler Abstinenz?

Seit zwanzig Jahren wissen wir, dass die Digitalisierung die Technologie unserer Zeit ist. Nur wer sie beherrscht, ist wettbewerbsfähig. Daher ist Abstinenz sicher keine Lösung. Es geht nicht einmal zwingend darum, weniger online zu sein. Aber es muss darum gehen, besser und bewusster online zu sein. Wir brauchen beide Pole: meditieren und programmieren – das sind Kernkompetenzen von heute und morgen.

Der deutsche Psychiater Manfred Spitzer warnt in seinem gleichnamigen Bestseller davor, dass unkontrollierter Online-Konsum zu «Digitaler Demenz» führt. Was sagen Sie dazu?

Ich kenne Manfred Spitzer persönlich. Was uns eint, ist das kritische Hinterfragen der Nebenwirkungen der Digitalisierung. Was uns trennt, ist der Umgang damit. Für mich sind die digitalen Angebote so lebenswichtig wie der Strassenverkehr. Deshalb plädiere ich für «Fahrschulen» und publiziere «Verkehrsregeln». Manfred Spitzer hingegen will den Strassenverkehr abschaffen und das Autofahren verbieten. Meine Thesen liefern den Menschen Rezepte für einen intelligenten Umgang mit der Digitalisierung. Medien machen nicht per se dumm oder schlau. Das, was der Mensch draus macht, entscheidet über das Ergebnis.

Was ist eigentlich mit Ihrem Mitarbeiter passiert, der sein Smartphone aus einer Schublade Ihres Schreibtisches entwendet hat?

Ich habe ihn im Urlaub arbeiten lassen und sein Fehlverhalten ignoriert. Drei Monate später hat er freiwillig sein Smartphone gegen ein altes, nicht internetfähiges Handy eingetauscht. Warum? Weil er auf dem Spielplatz Mails gecheckt hat, unaufmerksam war und seine Tochter deshalb von der Schaukel gefallen ist. Die Kleine hat zu ihm gesagt: «Papa, dein Handy macht mir Aua!» Da wusste er, jetzt habe ich mein Handy nicht mehr im Griff, sondern mein Handy mich.


Anitra Eggler, 44, lebt in Wien. Nach dem Abitur arbeitete sie als Journalistin. 1998 zählte sie zu den digitalen Pionieren. Nach zwölf Jahren Hochgeschwindigkeit und grossem Erfolg als Internetmanagerin waren ihre Batterien leer. Sie entwickelte sich zur Vorkämpferin für einen selbstkritischen Umgang mit dem Netz. Dazu publizierte sie verschiedene Bestseller zum Thema und hält Vorträge als «Digitaltherapeutin».
www.anitra-eggler.com



Gelesen im Kundenmagazin von Sanitas

Montag, 13. November 2017

Zu viel nachdenken

Zu viel nachdenken ist wie schaukeln. Man ist zwar beschäftigt, aber kommt kein Stück weiter.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Nein sagen: ein Liebesdienst?

Ich genoss eine strenge Erziehung. Uns Kinder wurden sowohl von den Eltern als auch Grosseltern Grenzen aufgezeigt. Sie lehrten uns Respekt, aber wir erfuhren auch viel Liebe und Grosszügigkeit.

Eine moderne Familie ist heute oft ein um das Kind kreisender Kosmos. Die Eltern lesen ihren Lisas und Limas in voreiligem Gehorsam jeden Wunsch von den Augen ab. Wenn es etwas nicht gibt, quengeln die kleinen, bis Mami oder Papi nachgibt. Als wichtige Erziehungsziele gelten Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Das Werte wie Güte, Rücksicht oder Geduld sowie - später im Leben - Mut, Fleiss und Arbeitsbereitschaft sich lohnen, lernen viele nicht mehr.

Der Vater und Style-Kolumnist Thomas Meyer hingegen moniert die mangelnde Achtung der Erwachsenen gegenüber ihrem Nachwuchs. Wenn einem schutzlosen Lebewesen mit Liebesentzug gedroht wird, es beleidigt oder erpresst wird, verlieren alle.

Gelesen im Style, Editorial von Sabina Hanselmann-Diethelm

Montag, 16. Oktober 2017

Zitat von Jean-Jacques Rousseau

Das Leben ist kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert, sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu geniessen.